
| die Geschichte des ZiLLE MUSEUMS |
Heinrich Zille war schon zu Lebzeiten eine Legende. Seine Werke waren außergewöhnlich populär und allen Berlinern bekannt. Als er 1929 starb, war es nicht abzusehen, dass es ganze 73 Jahre dauern würde, bis in Berlin ein Zille-Museum eröffnet werden konnte.
Dabei wurde Zille bereits 1928 zu seinem 70. Geburtstag mit der Ausstellung „Zilles Werdegang“ im Märkischen Museum geehrt. Die außergewöhnlich erfolgreiche Ausstellung zog alle Schichten der Gesellschaft an. Und zwar in einem solchen Umfang, dass der Direktor des Hauses, Walter Stengel, die Feststellung traf: „Allein, man hatte nicht bedacht, daß hinter dem Jubilar (...) der ganze Wedding stand, der alsbald einen Frontalangriff auf das Museum unternahm.“ Das Märkische Museum kaufte aus diesem Anlaß ein großes Konvolut bedeutender Arbeiten des Künstlers. Doch ging nahezu der gesamte Bestand im Zweiten Weltkrieg nach der Auslagerung verloren. Von ihm fehlt bis heute jede Spur.
Bereits kurz nach dem Tode Heinrich Zilles hatten die Berliner die Schaffung einer dauerhaften Gedenkstätte für den Künstler gefordert. Doch die Stadt sah sein Werk in der Öffentlichkeit bereits angemessen repräsentiert. Kurt Tucholsky schrieb daraufhin: „Für das Echte, das wirkliche Berlinische, hat die Stadt wenig oder gar keinen Sinn. (...) Ist es zu glauben, dass die Stadt für diesen Mann, der die reinste Inkarnation Berlins verkörpert, nichts, aber auch gar nicht das leiseste tut?“
Dabei ist es bis heute geblieben.
Nach 1933 geriet Zille bei den Nationalsozialisten in Verruf. Erst als klar wurde, dass sein Werk nicht zu verschweigen war, versuchte man, es im Sinne der „Volksgemeinschaft“ umzudeuten. Der SA-Standartenführer und Journalist Otto Paust (1897 – 1975) arbeitete Bücher von Hans Ostwald in diesem Sinne um. Aber Zilles Vermächtnis erwies sich trotz dieser Klitterungen als mit der Ideologie der Nazis nicht kompatibel. Zilles erfolgreiche Publikationen der Zeit vor 1933 wurden nicht weiter aufgelegt und es gab auch keine Zille-Ausstellungen im „Dritten Reich“.
In der Nachkriegszeit gab es verschiedene Bemühungen in Ost und West, für Zille einen Ort zu schaffen. Schon im Jahr 1950 machten sich Zilles Tochter Margarete Köhler-Zille und der Zillebiograph Gerhard Flügge in Demmin/Vorpommern Gedanken um ein Berliner Zille-Museum. In Ost-Berlin wurde die Idee positiv aufgenommen und in der Presse publiziert. So schrieb ,,Der Morgen“ am 21. August 1954: ,,Vater Zilles „Milljöh“ wird wieder aufgebaut, Gedächtnisausstellung im alten Fischerkiez geplant.“ Die ,,Neue Zeit“ vom 29. Oktober 1954 schrieb dazu: ,,Ein Zuhause für Schiffer, Fischer und Maler; Alt Cölln wird wie einst entstehen – Ein Haus für des Zille Museum.“ Am 10. März 1955 aber mahnte ,,Der Morgen“ bereits: ,,Zille Jören in Demmin oder in Berlin? Heinrich Zilles Vermächtnis gehört in unsere Stadt – wann kommt die Gedenkstätte?“ Mit dem Abriss des Fischerkietzes in den 1960er Jahren wurden dann alle Pläne hinfällig.
1958 veranstaltete die Ost-Berliner Akademie der Künste eine große Ausstellung zu Zilles 100. Geburtstag. Sie entstand unter der Federführung ihres Präsidenten Otto Nagel (1894 – 1977), der mit Zille seit etwa 1922 befreundet war und sich in der DDR für sein Werk stark engagierte.
Zilles Sohn Walter lebte bis zu seinem Tod 1959 in der Wohnung der Familie in Charlottenburg in West-Berlin. In einem Zusatz zu seinem Testament erklärte er, dass mit einem Teil seines Nachlasses eine würdige Erinnerungsstätte an seinen Vater einzurichten sei. Sein Nachlassverwalter Erich Kranz bemühte sich, diesen Wusch mit Hilfe des 1958 gegründeten ,,Heinrich Zille Komitees“ zu erfüllen, dem auch viele Berliner Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens angehörten. Die Bemühungen über lange Jahre blieben vergeblich.
Das Märkische Museum in Ost- und das Berlin-Museum in West-Berlin bauten in der geteilten Stadt unabhängig voneinander neue Sammlungen von Zilles Werken auf, die heute in der Stiftung Stadtmuseum Berlin den umfangreichsten Bestand bilden.
Im Westen des geteilten Deutschlands und in West-Berlin befanden sich zudem bedeutende Zille-Sammlungen vor allem im Axel Springer Verlag und als Dauerleihgabe im Wilhelm-Busch-Museum Hannover sowie bei weiteren privaten Sammlern. Von Bedeutung ist die heute dem Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr gehörende Kollektion des Arztes Dr. Karl G. Themel.
Eine kurze Lebenszeit war in Berlin dem privaten Zille-Museum des Sammlers Herbert Ernst beschieden. Seinen Standort hatte das Museum in dem während der Teilung Berlins stillgelegten U-Bahnhof Nollendorfplatz. Als nach dem Fall der Mauer der Verkehrsbetrieb wieder aufgenommen werden sollte, musste das Museum jedoch weichen. Für neue Räumlichkeiten fand Herbert Ernst keine ausreichende Unterstützung seitens des Berliner Senats und gab nach einem Intermezzo in den S-Bahnbögen an der Friedrichstraße resigniert auf.
Nach der Wiedervereinigung unternahm die Heinrich-Zille-Gesellschaft Berlin einen neuen Anlauf. Sie wurde auf Initiative des Zille-Urenkels Hein-Jörg Preetz Zille 1999 im Haus des Malers Kurt Mühlenhaupt in Bergsdorf bei Oranienburg gegründet. Vorrangiges Ziel war es, endlich ein dauerhaftes Zille-Museum für Berlin zu schaffen. Das ZiLLE MUSEUM im Nikolaiviertel.
Zu den Gründungsmitgliedern aus Berlin und der gesamten Bundesrepublik gehörten Kurt Mühlenhaupt, Walter Plathe, Wolfgang Völz, Günther Pfitzmann, Wolfgang Gruner, Frank Zander, der Schnellzeichner OSKAR und viele mehr.
Mit Unterstützung der Mitglieder wie auch der Aktionsgemeinschaft Nikolaiviertel konnte endlich im August 2002 das „Heinrich-Zille-Museum“ eröffnet werden. Die Eröffnungsfeier fand in den Räumen des Berliner Rathauses unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters, Klaus Wowereit statt. Der Senator für Wissenschaft, Kunst und Kultur, Thomas Flierl, überreichte die symbolischen Museumsschlüssel. Doch das blieb eine folgenlose Geste. Bis heute hält sich die Stadt Berlin von der Unterstützung eines Museums für Zille fern. Das Museum wird von der Heinrich Zille Gesellschaft getragen und ist ausschließlich privat finanziert.
Am 5. April 2007 wurde das Museum nach umfangreicher Renovierung und Umgestaltung mit einer neuen Dauerausstellung und vergrößerter Fläche unter dem Namen ZiLLE MUSEUM wiedereröffnet.
Wir möchten allen herzlich danken, die maßgeblich zum Gelingen dieses Vorhabens beigetragen haben:
Den Mitgliedern und Ehrenmitgliedern der
Heinrich Zille Gesellschaft Berlin e.V.,
der Wohnungsbauges ellschaft Berlin-Mitte mbH,
der Berliner-Schultheiss-Brauerei GmbH,
der Wall AG
der Aktionsgemeinschaft Nikolaiviertel e.V.,
der Stiftung Stadtmuseum Berlin und
allen privaten Leihgebern des Museums.
Anerkennung gilt auch allen nicht ausdrücklich angesprochenen Förderern und Hilfeleistenden, die alle Sorgen und stellenweise auch Nöte mitgetragen haben. Gerade durch sie konnten immer wieder neuer Mut und neue Kraft geschöpft werden, um an das Ziel zu gelangen.
täglich:
11.00 — 18.00 Uhr
11.00 — 19.00 Uhr*
*vom 1.4. — 31.10.
Eintritt:
Erwachsene 5,00 €
ermäßigt 4,00 €
Führungen: 35,00 €
(nach Voranmeldung)
ZiLLE MUSEUM
Heinrich Zille Gesellschaft Berlin e.V.
Propststraße 11
10178 Berlin-Mitte
im Nikolaiviertel
Telefon:
030 - 246 32 500
E-Mail:
mail(at)zillemuseum-berlin.de